Brief an Landrat Dr. Karl Vogele
Die Müllgebühren sinken im Landkreis Augsburg um 13 Prozent
Untermeitingen, den 29. Januar 2000
Sehr geehrter Herr Dr. Karl Vogele,
vielen Dank für Ihre Beilage zum aktuellen Gebührenbescheid. Wir sind im Juli 1999 in den Landkreis Augsburg gezogen, und können die aktuelle Abfallregelung im Landkreis Augsburg nicht ganz verstehen.
Den auf den neuen Mülleimern angebrachten Aufklebern zufolge, dürfen Bioabfälle, Wertstoffe, Bauschutt und Problemabfälle nicht mehr in den Hausmüll. So bleibt also die Frage offen wo diese Art Abfall hingehört, bzw. was eigentlich noch in die Hausmülltonne darf. Wir haben dies mit einigen Nachbarn versucht zu erörtern und sind leider nicht auf eine gute Lösung gekommen. So würden wir gerne dazu Ihren Standpunkt kennenlernen.
- Bioabfälle (Obst-, Gemüsereste, Gras- und Strauchschnitt) dürfen nicht in die Tonne. Diese sollen wir als der Bürger vermutlich gegen Zahlung von weiteren Gebühren auf einer Deponie abliefern, die ein paar Kilometer entfernt ist, leider aber von November bis April geschlossen ist.
Wohin also mit den Bioabfällen während der Winterzeit? Wenn es im Garten gelagert werden soll, wer übernimmt dann die Kosten für die daraus nötig werdenden Schädlingsbekämpfungsmassnahmen (Mäuse, Ratten, Ungeziefer)? Was machen die Bürger in Mietwohnungen oder die Bürger ohne Fahrzeug? Was erwartet der Landkreis in diesem Falle vom Bürger?
- Wertstoffe (Papier, Karton, Glas, Dosen, Verpackungen) dürfen auch nicht in die Tonne. Bleibt wohl für den Bürger nur die Fahrt zu einer Wertstoffsammelstelle (die nicht am selben Ort ist wie die Bioabfall Deponie). Dabei ist vom Bürger der Müll (Wertstoffe) zu sortieren und kleinzumachen (Z.B. im Falle von Kartonagen). Jeder größere Supermarkt besitzt eine Müllpresse für Kartonagen. Warum werden solche Geräte nicht auch an den Sammelstellen eingesetzt, um dem Bürger Zeit und Mühen zu ersparen?
Ein weiteres Problem sind die Öffnungszeiten der Sammelstellen. Ich komme meist sehr spät aus München von der Arbeit (20:00 Uhr), da hat die Sammelstelle schon geschlossen. Da man mit drei Kindern (6 Jahre, 3 Jahre, 0,5 Jahre) die Aufsichtspflicht auf der Sammelstelle nicht gewährleisten kann, kann meine Frau den Müll auch nicht wegbringen.Der Samstag muß dank der schlechten Ladenschlußzeiten dann für Besorgungen im Haushalt hinhalten.
Kann man nicht irgendwo im Landkreis eine Möglichkeit zur Entsorgung geben, die Öffnungszeiten unabhängig ist? Wäre es nicht sinnvoller, umweltschonender und kostengünstiger, den Bürgern jeweils Sortierbehältnisse (eins für Papier, eins für Glas, eins für Dosen, etc.) zur Verfügung zu stellen, und diese dann wie den Restmüll jeweils zweiwöchentlich abzuholen? Entsorgungen in ähnlicher Form werden in anderen Städten und Ländern angeboten. Für den Bürger wäre das sicherlich eine zeitliche Erleichterung, ganz zu schweigen von der Entlastung der Umwelt, die dadurch erheblich profitieren würde, wenn nicht jeder Haushalt gesondert mit dem eigenen Müllauto zur Sammelstelle fahren muß.
- Bauschutt (Erde, Kies, Ziegel, Waschbecken,...) dürfen auch nicht in die Tonne. Bleibt wohl für den Bürger nur eine weitere Fahrt zu einer Müllhalde (die nicht am selben Ort ist wie die Bioabfall Deponie oder die Wertstoffsammelstelle). Beim Einzug in unser Haus, fanden wir vom Vorbesitzer z.B. ein Waschbecken mit Armatur, sowie zwei kleine Stücke (50cm x 50cm) Regips vor. Wir stellten dies bei der jährlichen Sperrmüllsammlung mit hinaus, in der Annahme, daß dies ja unter Sperrmüll zu klassifizieren sei. Und Sie ahnen schon was passierte. Nun stehen wir da, und wissen nicht wohin damit. Müssen wir nun wegen dieser zwei kleinen Teile extra nach Augsburg zur Müllhalde fahren und dort zusätzlich Gebühren für die Entsorgung dieser Teile bezahlen? Was würden Sie in unserem Fall machen?
- Problemabfälle (Altöl, Batterien,...) dürfen auch nicht in die Tonne. Das ist inzwischen jedem Bürger klar. Diese Abfälle gehören zum Händler zurück wo man die Produkte gekauft hat. Was aber, wenn man die Produkte vor dem Zuzug in den Landkreis in einem anderen Bundesland oder in einem anderen Land gekauft hat? Gibt es da eine Möglichkeit diese einfach, kostengünstig und problemlos zu entsorgen?
Bleibt also der sogenannte Restmüll übrig. Und was gehört da noch dazu? Spontan fallen uns Windeln ein, aber was sonst noch? Möbel? Elektrogeräte? Nein, die gehören ja in den Sperrmüll. Aber im Sperrmüll wird auch fast nichts angenommen. Selbst die Kochplatten vom Elektroherd wurden nicht mitgenommen weil die ja ein Wertstoff sind. Was fällt Ihnen da als Reststoff noch ein? Für uns gehört eigentlich alles in die oben genannten Kategorien.
Sie müssen doch zustimmen irgendwie entsteht der Eindruck, daß fast nichts in die Tonne darf. Bei uns entsteht auf jeden Fall der Eindruck, daß man im Landkreis Augsburg den Bürger zum Müllmann macht. Diesen Eindruck teilten auch Verwandte, die eine Schlange Untermeitinger Bürger mit ihren Abfalltonnen an der Wertstoffsammelstelle sahen jeder mit seinem eigenen Müllauto Marke BMW, Mercedes, Audi, oder VW.
Wenn wir uns die so entstehenden Gesamtkosten für die Volkswirtschaft anschauen, so können Sie doch nicht davon sprechen, daß dieAbfallgebühren um 13 Prozent sinken. Sie lassen nur einen großen Teil der Arbeit (Müllsortierung, Müllabholung) vom Bürger verrichten. Der Bürger bezahlt die Gebühren in dem Augsburger Modell mit teurer Arbeitszeit und mit dem Einsatz vom eigenen PKW. Und die Kosten, die dem Bürger dann an der Deponie entstehen werden von Ihnen auch verschwiegen.
Die Kostenersparnis für Bürger und Landkreis wäre sicher viel größer, wenn der Landkreis Augsburg ein rationelleres System bei der Müllabholung und Verwertung einsetzen würde. Mag sein, daß es irgendwo Bürger gab, die für die derzeitige Lösung gestimmt haben, doch die Geschichte zeigt, daß der Bürger nicht immer weise Entscheidungen getroffen hat. Aber vielleicht liegen ja auch wir in unserer Einschätzung total falsch.
Eine Überdenkung des bisherigen Verfahrens halten wir auf jeden Fall für sehr angebracht. Über aufklärende Antworten würden wir uns auf jeden Fall sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen,
Peter & Cornelia Tögel
P.S. Die alte Mülltonne wurde uns freundlicherweise überlassen. Allerdings wollten wir die gar nicht. Die können wir selber zur Sammelstelle bringen. Wird das auch Bürgern ohne Auto zugemutet?
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