Rundmail aus Denver - Nr. 12
Huh,
das hat lange gedauert! Doch hier ist sie:
Die Rundmail Nr.012.Jetzt werden sich wohl einige schon gefragt haben, warum es denn so lange dauert, bis die Familie Tögel sich wieder meldet. Sicherlich hat fast jeder schon einmal durch seinen Beruf eine Geschäftsreise gemacht. (Ein Lehrer geht halt auf den Ausflug, ein Computer-Berufler wird halt weiter weggeschickt.) Mich hat die Geschäftsreise dieses Mal für drei Wochen nach Deutschland geführt.
Was ich dabei erlebt habe, gibt es dieses Mal in dem "Rundmail aus Denver" zu lesen:
Der Flug!
Die Benzinpreise!
Die Diskussion!
Der Anruf!
Die Cae Konzerte!
Die Fußball-Europameisterschaft!
Die Verkehrserziehung!
Die Vergangenheit!
Der rätselhafte Anruf!
Der Automat im Flughafen!
Die Ferne!
Der Termin!
Die Ermutigung!
Das Gedicht!
Der Flug!
Nein - ich habe generell nix gegen Delta, doch habe ich seit dieser Reise auch nix mehr für Delta. Fast eine Stunde Wartezeit durfte ich in der als Express-Line ausgezeichneten Warteschlange zum Koffer abgeben warten. Anschließend setzte man uns in eine alte 727 (oder war es eine 737...) mit orange/roten Sitzen, die aussahen, als ob sie schon mehrere Jahrzehnte miterlebt hatten. In einem Flug ohne Movie und Musik ging es dann in ca. 3,5 Stunden nach New York.
In dem überaus "modernen" Flughafen und Delta Terminal (die Flugzeugsitze fühlten sich hier sicher zuhause...) hatte ich dann weitere zwei Stunden abzusitzen. Im Flugzeug saßen wir dann aber noch weitere zweieinhalb Stunden, da man noch kurz ein Teil am Flügel auswechseln mußte. Zum Glück erkannte die Crew nach ca. zwei Stunden, daß man den Passagieren ja was zu trinken anbieten könnte. Die Wüste Gobi ist sicher feuchter gewesen, als das Klima in den Stunden ohne Getränk!
Dann ging es weiter zum Weiterflug nach Amsterdam-Frankfurt-Stuttgart. Offiziell stand da nur etwas von einem Stop in den Flugpapieren. Das heißt bei Delta aussteigen und in ein anderes Flugzeug umsteigen. Das einzige, was da wohl stoppte war das Flugzeug... In Stuttgart angekommen ging es dann, frei nach Wilhelm-Tell, weiter: "Durch diese hohle Gasse müssen sie alle gehen...!" Damit meine ich die Passkontrolle. Über solche Schlangen würde sich selbst die Wilhelma (Zoo & Gewächshaus in Stuttgart) freuen...
Die Benzinpreise!
Da fahre ich doch das erste Mal mit dem Geschäftswagen an die Tankstelle, da trifft mich doch fast der Schlag. Was habt Ihr in Deutschland denn mit den Benzinpreisen gemacht? Bekommt man inzwischen bei jeder Tankfüllung eine Aktie der Benzingesellschaft? Vom Preis her müßte das ja drin sein...
Die Diskussion!
Welche Diskussion? Na, die um die neuen Ladenöffnungszeiten. Ich wundere mich ja immer mehr, was man mit den tapferen Deutschen macht. Da gibt es doch immer noch Parteien und Gewerkschaften, die gegen die freien Öffnungszeiten plädieren. Da erreichen die Arbeitslosenzahlen inzwischen Wolkenhöhe und das Volk lässt sich immer noch für dumm verkaufen.
Es weiß doch inzwischen schon jeder, daß man an den Tankstellen alles bekommen kann. Jedes Mailorder-Haus liefert Waren rund um die Uhr, doch die Einzelhändler wollen anscheinend kein Geschäft machen. Warum ändert man die Öffnungszeiten nicht auf 10 Uhr bis 11 Uhr vormittags. Dann hätte man sicher nicht so viel Geschäft. Ich kann das nicht mehr glauben. Bald wird Euch erklärt, daß 1+1=3 ergibt....
Ich kann euch nur sagen, daß ich Euer Bruttosozialprodukt gerne angekurbelt hätte, doch leider hatten die Läden immer schon zu, wenn ich aus dem Büro kam.
Der Anruf!
Kaum in Deutschland, da bekomme ich einen Anruf von der Managerin einer Künstlerin, die ich die letzten drei Jahren als Stage-Manager und Lighting-Designer begleitete. Mein Nachfolger war ausgefallen und so dachte sie, daß es doch nicht schlecht wäre, wenn ich mal wieder ein Wochenende mitgehe. Gesagt getan! Was man dabei Aussergewöhnliches erleben kann, ist bei meinem nächsten Thema zu lesen...
Die Cae Konzerte!
Der Gärtner ist nicht immer der Mörder. Es gibt Tage, da kann ich mir den Gärtner auch als Leiche vorstellen. Da bin ich doch beim Aufbau vom Cae Konzert am Helfer dirigieren, da fängt plötzlich neben mir ein Gartenschlauch meine Stoffschuhe incl. meiner wunderschönen Füße mit Wasser zu überschwemmen. Was war los?
Cae plus Managerin plus BandDer Gärtner des Geländes hatte sich entschieden, die Blumen in der Gluthitze zu bewässern. Und da man ja beim arbeiten nix denkt, bekam ich dann als "Entschuldigung" den Spruch:"Lauf doch barfuß! Ist eh' gesünder...". Eine gute Idee, bei 30°Grad Celsius im Schatten, schwarzen Bühnenpodesten und vielen kleinen, fiesen Kieselsteinen vor der Bühne...
Die Techniker, die nach jedem Konzert immer so "breit" sind
Die Fußball-Europameisterschaft!
Jaja, da ist man mal raus aus Amerika, da beginnt auch schon ein interessantes Turnier in der Welt des Fußballs. Da gibt es eigentlich nur einen Kommentar dazu: Es ist wirklich verwunderlich, wie eine deutsche Mannschaft mit so einer Spielweise so weit kommt...
Die Verkehrserziehung!
Da bin ich doch nur sechs Monate aus dem Land, doch in dieser Zeit merkt man erst, welche Macht die Polizei und die Stadtverwaltungen ausüben können. Warum? Ich habe noch nie so viele Leute gesehen, die sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen (Welch ein Wort!)halten. Und das ist manchmal sehr langsam!
Da wird zum Beispiel 200m vor dem Ortseingang Ludwigsburg ein Schild mit einer Beschränkung auf 30km/Stunde aufgestellt, da es am Ortseingang eine kleine Baustelle gibt. Dieselbe Baustelle würde auf der Autobahn maximal auf 60km/Stunde beschränkt. Jetzt bleibt nur noch die Frage, warum man hier das Auto fast zum Stehen bringen soll, wo doch sowieso keine Bauarbeiter dort zu sehen sind.
Ich glaube es dauert nicht sehr lange, dann werden alle Straßen zu Parkplätzen mit Geschwindigkeitskontrollen umfunktioniert. Als ich am Sonntag in einem Gottesdienst war, fragte der musikalische Leiter die Gemeinde, ob eigentlich außer ihm noch jemand das letzte Mal vor dem Gottesdienst geblitzt worden war. Das Ergebnis: Sicher die halbe Gemeinde hob die Hand. Da brauche ich mich nicht zu wundern, daß sehr viele Freunde inzwischen keinen Führerschein mehr besitzen.
Warum wählt ihr eigentlich noch die Politiker, die das unterstützen? Heißt es nicht "Wir sind das Volk"?
Die Vergangenheit!
Wenn man mal in Deutschland ist, dann will man sich ja auch mal mit alten Bekannten treffen. Hätte ich gewußt, daß dabei alte verschollene Bilder wieder auftauchen.
![]()
Links sieht man hier wie ich gerade vom Postauto überfahren werde und rechts meine ersten Berufserfahrungen als Friseur (mit einer Heckenschere).
Der rätselhafte Anruf!
Da komme ich doch gegen Abend in mein "Hotel" (die Wohnung meiner Schwiegereltern), da wird mir berichtet, daß eine Frau telefonisch nach mir verlangte. Einen Namen oder Telefonnummer hat sie leider nicht hinterlassen, einen Rückruf ihrerseits hatte es auch nicht mehr gegeben. Dazu weiß ich nicht einmal ob sie hübsch ist [ ;-)]! Sollte diese Frau diese Worte jetzt lesen, so bitte ich diese sich bei mir per E-Mail (ptogel@diac.com) zu melden! Ich konnte nämlich sicher zwei Nächte nicht mehr schlafen, weil ich nicht wußte wer diese Anruferin war... Für alle die sich jetzt wundern ob ich noch glücklich verheiratet bin: Ja! Es interessiert mich aber trotzdem wer mich erreichen wollte...
Der Automat im Flughafen!
Jaja, die Post weiß schon wie man zu Geld kommt. Da möchte ich doch noch kurz vom Flughafen eine Postkarte versenden, da wird man Opfer von Nepper, Schleppern und Bauernfängern (siehe E. Zimmermanns Warnhinweise). Die Postkarte, schnell geschrieben, brauchte also noch eine Briefmarke. Woher? Klar, da ist doch ein vollautomatischer Briefmarkenautomat im Flughafengebäude.
Da stellt sich schon die erste Frage: Wie teuer ist inzwischen eine Postkarte innerhalb Deutschland? Oder zählt der Zollbereich schon gar nicht mehr als Deutschland und ist damit eine Inland-Postkarte? Informationen zu diesem Thema gibt es auf jeden Fall nicht am Automaten der Post. So entschließe ich mich also, am Automaten den Briefmarkenbetrag -.80 DM anzuwählen.
Da ich diese Summe nicht passend habe, werfe ich ein 2.- DM Stück ein und erwarte an der Ausgabe die angewählte Briefmarke und mein Restgeld. Schön gedacht, aber die Rechnung ohne die Deutsche Post gemacht. Aus dem Schacht fallen nämlich nur die folgenden Dinge: Eine -.80 DM Briefmarke, eine 1.- DM Briefmarke und zwei -.10 DM Briefmarken. Ja, die Post gibt kein Geld mehr zurück. Jetzt kann ich also in den USA mit den drei übrigen Marken eine Briefmarken-Sammlung anfangen. Wenn die Marken wenigstens hübsch wären...
Die Ferne!
Da freut man sich doch das halbe Jahr, auf den Besuch aus Deutschland, da muß man auch schon ausgerechnet zu der Zeit das Land für drei Wochen verlassen (man könnte meinen, ich mache das absichtlich...). Bis die Geschäftsreise zu Ende war, hatten die Gäste gerade am Tag vorher ihren Besuch bei uns beendet. Wirklich schade, da es nette Besucher waren (Schwager Martin, Schwägerin Lisa & Neffe Felix Scherz, sowie Cousine Birgit und Cousinenehemann [und Marktlückensucher] Andi Liebezeit). Wenigstens bin ich in dieser Zeit ums Rasenmähen herumgekommen. Wie ich gehört habe, wächst das Gras hier unheimlich schnell , so daß der Besuch sogar für's Mähen herhalten mußte (zwei Mal die Woche!)...
Noch ein guter Grund (lt. meiner Frau), der heimatlichen Behausung fernzubleiben: KIDS! Eins kann man ja noch verkraften (solange es sich um das eigene handelt), bei zweien hört der Spaß dann aber wirklich auf. Jamie-Lee (zweieinhalb) fand den Besuch zwar ganz witzig, fühlte sich aber durch den kleinen Felix (ein Jahr alt) in ihrer Position als Tyrannin deutlich bedroht. Das führte natürlich ständig zu Ausrufen wie:"Das ist MEINE Mami!" und "Ich will auch einen Dinosaurierkeks haben!" und natürlich zu rapiden Ermüdungserscheinungen der, mehr oder weniger am Geschehen beteiligten, Erwachsenen. Trotz Urlaub, kann für's Schwager's relativ wenig von Erholung die Rede gewesen sein (Sorry!). Es war dennoch schön, mal wieder Verwandte im Haus zu haben.
Der Termin!
Nun haben wir noch ca. zwei Wochen bis zum Entbindungstermin, jetzt bekommen wir so langsam das Gefühl, daß wir allmählich einen Namen für den neuen Erdenbürger finden sollten, damit das arme Kind nicht sein Leben lang mit XXX unterschreiben muß. Da wir uns noch nicht auf einen oder mehrere Namen einigen konnten, rufen wir euch hiermit auf, uns noch mehr Vorschläge zu senden, vielleicht ist ja mal was brauchbares dabei (Dolores, Philomena, Richard, Guadaliero, etc. sind zwar ausgefallen oder so ähnlich, aber hoffentlich nicht wirklich ernstgemeint, oder?).
Zeit gibt's (laut Arzt) noch genug, das Kleine hat's anscheinend nicht sehr eilig, in diese, ach, so wüste Welt geboren zu werden (mal sehen, ob er recht hat). Die Dicke mit dem Bauch würde sich auf jeden Fall freuen, wenn's demnächst überstanden wäre, so langsam wird's nämlich richtig lästig (ja, ja, später wird's noch lästiger - haben wir schon gehört, wissen wir schon alles!).
Die Ermutigung!
...geht dieses Mal an Janet und Michael Landmann die wohl gerne von Ludwigsburg nach Colorado zurückkehren würden. Braucht Ihr eine Denver Post oder die Rocky Mountain News um Stellenangebote zu durchforsten? Wenn das alles ist, sagt Bescheid. Die Läden haben noch offen...
Das Gedicht!
Regenschauer,
Zitrone sauer,
Sonnenschein,
Peter sein!
So, das war die Mail Nr.12 aus dem verregneten Denver.
Bitte verteilt diese Mail auch wieder an die Armen, die keine Leitung ins Internet haben [Peps, bitte stelle Deine Druck-Optionen auf Graustufen ein, sonst wird es wieder nix... ;-) ].
Peter, Conni, Jamie-Lee & das Kind im Bauch.
29.06.1996