The Tögel Family - Life On The World Wide Web - Auswanderung in die USA

Rundmail aus Denver - Nr. 09

Sonnenbrand Ahoi,

dies ist wohl der angemessene Gruß für dieses Wochenende. In einigen Staaten kann man hier schon 105 Grad Fahrenheit antreffen und auf unseren Waden zeichnet rot gefärbte Haut die Stelle der Schmerzen.

Die Wettervorhersage versucht uns klar zu machen, daß wir hier diese Woche zwischen 80-o und 90-o Fahrenheit haben werden. - Zum Glück hat mein Arbeitgeber mir eine Klimaanlage zur Verfügung gestellt! Mögen meine ehemaligen Kollegen in Deutschland durch offene Fenster die Kühle erlangen. Oder ist in Deutschland das Wetter mal wieder grau und naß?


Kommen wir einfach zu den Themen dieser Woche:


45 Dollar und die Bewertung!

Wir haben in der letzten Woche über die Preise von Walt Disney berichtet. Da dieses Thema mich nicht losgelassen hatte, gingen wir diese Woche wieder auf den Flohmarkt. Das Objekt der Begierde war dieses Mal der Walt Disney Klassiker "101 Dalmatians".

Nachdem ich eine Woche lang in allen Video-Shops nach dem Film gesucht hatte, schien der Flohmarkt der letzte Ausweg zu sein. Dort wurde ich auch sogleich fündig. Sechzig Dollar wollte der Händler für das ungebrauchte Hunde-Video. Ein stolzer Preis für ein bisschen Plastik. Nach einer kleinen aber gemeinen Verhandlung übergab er mir das Band dann für fünfundvierzig Dollar. Ihr hättet das Gesicht meiner Tochter sehen sollen. Sie strahlte über das gesamte Sonnenbrillenbedeckte Gesicht.

Am Abend saßen wir dann mit unserem schweizer Besuch vor der Glotze. Und ich war gespannt auf die Kritik unseres zweieinhalbjährigen Filmkritikers. Und die Kritik kam! Nach ca. 2/3 vom Film erfolgte der Kommentar: "Des isch ein scheiß Film!" Ich weiß nicht von wem sie das Vokabular hat - ich kann mich auf jeden Fall nicht daran erinnern...


DC TALK - oder auch Lärm für 50 Dollar!

Für alle Leser, die DC TALK nicht kennen, hier eine Erklärung: DC TALK ist eine Musikgruppe aus der christl. Szene. Ihre aktuelle CD "Jesus Freak" hatte in der amerikanischen Billboard Hitparade mit einem Einstieg auf Platz 16 wohl einen sehr bemerkenswerten Erfolg auf dem amerikanischen Markt. Vor einigen Jahren hatte ich die - damals Rock-Rap-Soul - Band auf einem Festival als Lighting-Designer beleuchtet.

DC Talk

Jetzt wandelten die Jungs ihren Musikstil in das Fahrwasser von Nirvana und den Red Hot Chilli Peppers. Ein Musikstil, der mit einem schlechten Sound-Mixer schnell zu Ohrenschmerzen führen kann. Die ganze Show war ein ganzes Stück schlechter als das zuletzt kritisierte "Michael W. Smith Konzert", doch die mir bis zum Bauchnabel reichenden Fans schnappten schier über. Auch Stage-Diving wurde mit Freude von DC TALK und den jungen Zuschauern betrieben. Dies ging so weit, daß kurz vor dem Zugabenteil ein Mädchen von einem Fuß eines Stage-Divers im Gesicht getroffen wurde.

Ergebnis: Das Konzert wurde sicher fünfzehn Minuten unterbrochen! Allerdings schienen die Sicherheitskräfte überfordert gewesen zu sein. In den ersten 10 Minuten der Bergung wurde nämlich weder das Hallenlicht angemacht, noch wurden die überfüllten Gänge um das Opfer geräumt. Der Witz des Abends: Der Veranstalter wies das Publikum anschließend darauf hin, daß dies das Resultat von Stage-Diving war. Aus diesem Grund sollte man dies bitte nicht tun. - Nur schlecht, daß es von DC TALK vorgemacht worden war.

Wenn man bedenkt, daß ich meine erste Konzertkarte verloren hatte und diese nachkaufen mußte, war unterm Strich dieses Konzert für mich sehr entäuschend und das Geld nicht wert.


Jamie's Sätze der Woche!

"Komm Daddy, du kannst auch nach dem Essen weiterspielen..."

Jamie-Lee

"Des isch ein Scheiß Film!"
"Mammi, i hab' di lieb'" (und das am Muttertag)


Ein Auto das nicht fährt, ist nichts wert!

Ja - das Auto macht wieder Probleme. So langsam bekomme ich ein Gefühl von "Packe es in eine Tüte und werf es weg!" Hatten wir doch einen Ausflug mit unseren Schweizer Gästen gemacht, da melden sich wieder merkwürdige, bekannte Geräusche zurück. Ein Blick unter das Auto zeigte dann noch komische Ölpfützen. Ein netter Werkstadtmann aus Aurora wies mich dann auf eine der möglichen Ursachen hin: Die Werkstadt, die als letztes das Getriebeöl auffüllte, hat viel zu viel Öl eingefüllt. Der Überdruck hat jetzt vermutlich die Dichtungen gesprengt. Hoffentlich erkennt der Chevi-Händler seine Fehler und repariert es kostenlos. Am Montag ist ein weiterer Termin in der Werkstatt. So langsam werde ich das Gefühl nicht los, daß mein nächstes Auto kein amerikanisches sein wird...


Top 10 Gründe um in Deutschland zu wohnen!

10. Die Stechmücken stechen amerikanisch! Alles ist größer...
09. Die Autos in Amerika sind auch als Wegwerfautos konzeptioniert!
08. Das gute Wetter hier macht mich depressiv!
07. Zehn Tage Urlaub!
06. Keiner der Verwandten kommt am Sonntag zum Kaffee!
05. Ich vermisse die Bedienung eines Lichtmischpultes!
04. Mein Chinarestaurant in Deutschland ist besser!
03. Mein Rundfunksender (JAM 92.1) hat nur 15 verschiedene Lieder!
02. Mein Fernsehbild in USA hat mindestens zwei Geisterbilder (Kabelfernsehen)!
01. Ich mag kein Yogurt Lite!


Poesie oder so...

Nach dem berauschenden Erfolg des letzten Gedichtes - hier nun weitere Gedichte die das Leben schrieb:

Kindernabel,
Druckerkabel,
Turm zu Babel,
Vogelschnabel

Federdecke,
Staub in Ecke
egal, wie sehr ich mich auch recke
man wird nicht Herr bei diesem Drecke

Grosser Rabe sitzt am Baum
ist so leis', man hört ihn kaum.
Ist jedoch die Nacht vorbei
endet sie in gross Geschrei.
Eines Tages werd' ich ihm
die Federn übern Schnabel ziehn!

Strassenlampe
dicke Wampe
alte Schlampe
Autorampe


So, das war es wieder für heute. Mehr gibt es sicher in der nächsten Woche. Dann haben wir wahrscheinlich ein Haus gekauft.

Gruß und Byte Ahoi!

Peter, Conni, Jamie-Lee & die Nervensäge aus dem Bauch.

12.05.1996